Neuer Podcast über „Coding History“

Daniel Meßner hat ein neues Podcastprojekt gestartet. „Coding History“

Coding History widmet sich der Geschichte von Software und ihrer Programmierung. (…) Mir geht es mit diesem Projekt darum, besser zu verstehen, wie die digitale Welt geworden ist, wie sie ist und wie sie sich und ihre Um-Welt verändert.

Ich halte diese Perspektive für sehr gewinnbringend, da sie den Blick für die Bedeutung von Software und ihre Historizität öffnet. Folgt man dem Diktum von Lawrence Lässing „Code is Law“, das Software und weniger klassische Gesetze die eigentlichen Regeln in der digitalen Welt aufstellen, kann eine Historisierung von Softwareentwicklung vielleicht besser beim Verständnis der Gegenwart helfen als klassische Politikgeschichte. Insofern wüsche ich Daniel sehr viel Erfolg mit dem Projekt.

Ich hatte bislang erst Zeit, Folge 2 über den 31C3 zu hören, die ich aber bereits sehr interessant fand, auch wenn sie sich nur sehr am Rand mit der Geschichte des Programmierens befasst. Folge 1 mit Caspar Clemens Mierau über die Geschichte und Rolle von digitalen Entwicklungsumgebungen scheint mehr in die Materie zu gehen.

 

Podiumsdisskusion zum 30igsten Jahrestag des BTX-Hacks

Zum 30sten Jahrestag des BTX-Hacks am 17. November hat die Wau-Holland-Stiftung eine Podiumsdiskussion veranstaltet, dessen Aufzeichnung hier zu sehen ist.

Während mit Steffen Wernéry einer der Protagonisten des BTX-Hacks auf dem Podium saß, war mit Erich Danke (WP) ein Vertreter der „alten“ Bundespost anwesend, der maßgeblich an der Einführung von BTX beteiligt war. Es hätte also spannend werden können. Wurde es aber nicht.

Während Wernéry weiter am Mythos des CCC und des BTX-Hacks strickte und keine neuen Details zu Ablauf preisgab, konnte Danke ebenfalls nicht zur Aufklärung der technischen Zusammenhänge beitragen. Die Post scheint sich bei BTX weitgehend auf IBM verlassen zu haben, selbst bei Fragen der Verschlüsselung. Zu den Hintergründen von BTX sagte er nichts.

Interessanter als das Podium ist allerdings das Begleitmaterial der Wau-Holland-Stiftung „aus dem Hackerarchiv„.

Kurz verlinkt: Cracker in den 1980ern

Gerade geht ein Beitrag der Aktuellen Stunde des WDR von 1986 über Raubkopierer Cracker durch die Blogosphäre, und da schon seit längerem nichts mehr gebloggt habe, springe ich schamlos auf den Zug auf.
Voilà

Kurz verlinkt: Ted Nelson’s Xanadu, Transklusion

Ted Nelsons, ein (sehr) früher Visionär des Hypertext und der Autor von Computer Lib wurde mit einer Veranstaltung an der Chapman University in Südkalifornien geehrt, bei der auch eine Version von Xanadu vorgestellt wurde, ein Hyperlinksystem, dass mit Transklusion arbeitet. Wenn ein verlinkter Text geändert wird, wirkt sich die Änderung auf alle Verlinkungen aus.

Auf den ersten Blick stellt ein solches System für mich eine Herausforderung für geisteswissenschaftliches Arbeiten dar. In der Regel bezieht man sich ja auf eine spezifische Version eines anderen Textes. Ok, Rechtschreibfehler dürfen in Zitaten gerne automatisch korrigiert werden (aber wer entfernt das [sic!]…?). Aber wenn im Original einfach der Sinn geändert wird, bricht doch so manche Argumentation. Transklusion braucht also eine ordentliche Versionierung auf beiden Seiten und kann nicht automatisiert ablaufen. Was bringt sie dann also? Oder verstehe ich da was falsch?

Das Internet und Btx

Wann immer jemand etwas über Btx, dem mittlerweile historischen Bildschirmtextsystem der Deutschen Bundespost schreibt, werde ich aufmerksam – den Btx und der staatlich geplante „Aufbruch in die Informationsgesellschaft“ in den 1980ern Jahren ist Teil meines engeren Interessen- und Forschungsgebietes. Zu Geschichte von Btx habe ich daher hier in diesem Blog schon mehrfach geschrieben.

Der jüngste Artikel zu Btx stammt von Torsten Dewi (Wikipedia) auf dem ZDF-Blog Hyperland. Dewi bring darin (wieder einmal) das Argument, dem Internet fehle, anders als Btx, eine eingebaute Bezahlfunktion.

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Kurz Verlinkt: Jan Hecker-Stampehl über digitale Geschichte und Geschichtsswissenschaft

In der letzten Episode des von mir hochgeschätzten Podcasts „Stimmen der Kulturwissenschaften“ (direkt mp3|ogg) spricht Jan Hecker-Stampehl über digitale Geschichte und Geschichtswissenschaften.

Wichtig fand seinen Hinweis, das die Digitalisierung weniger neue (geisteswissenschaftliche) Methoden hervorbringt, sondern sich mehr auf die Kommunikation über Geschichte auswirkt – ein Umstand, auf den die professionelle Geschichtswissenschaft reagieren muss, um nicht den Rest ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu verlieren. Gerade deshalb sind Blogs und Projekte wie @9Nov38 für die Geschichtswissenschaft so wichtig, weil sie den akademischen Diskurs öffnen.

Ich widerspreche allerdings Jans Behauptung, dass Historiker nicht programmieren können müssen. Das mag bislang zwar noch so sein, aber spätestens, wenn wir es mit rein digitalen Quellen („digital born“) zu tun bekommen, sollte ein Historiker genau wissen, wie diese Quellen entstanden sind und was sie eigentlich aussagen können. Oder kurz gesagt: In Zukunft wird auch die Informatik ein Werkzeug des Historikers sein!

Gescannte oder fotografierte Texte und PDFs optimieren – Ein kleines Scan Tailor-Tutorial für Windows

In immer mehr Bibliotheken stehen mittlerweile Buchscanner, vielerorts dürfte daher das Scannen von Texten oder ganzen Büchern das zwar ebenso zeitaufwendige, aber in der Regel kostenpflichtige Kopieren ersetzt haben. Steht kein Aufsichtsscanner zur Verfügung, etwa in kleineren Archiven, übernimmt oft eine handelsübliche Digitalkamera diese Funktion. Die Qualität solcher Scans oder Fotografien lässt oftmals aber sehr zu wünschen übrig, der eigentliche Text ist häufig schlecht zu erkennen. Insbesondere, wenn man seine mühsam in Archiv gesammelten Quellenschätze anderen zur Verfügung stellen möchte, sollte man daran noch etwas ändern.

Schon vor einiger Zeit habe ich das Programm Scan Tailor entdeckt, mit dem man die Bildqualität von solchen Material nachträglich deutlich verbessern kann. ScanTailor ist eine Software, die dazu verwendet wird, Bücher zu digitalisieren, es kann weitgehend automatisiert die Seiten aufteilen, den Text begradigten, schwarze Ränder entfernen und den Text gegenüber dem Hintergrund hervorheben. Scans, die mit Scan Tailor optimiert wurden, sind deutlich besser zu lesen und haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie bei einer erneuten Überführung auf Totholz (aka „Drucken“) umweltfreundlicher sind, da Toner gespart wird. Außerdem lässt sich mit ScanTailor die Dateigröße eines PDF oftmals deutlich reduzieren. Aber seht selbst.

Scan Tailor vorher – nachher

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Kurz verlinkt: Historische Vorträge vom 30C3

Ein kurzer Hinweis. Ich war auf dem 30C31 und habe zwei Vorträge gehört, die für historisch Interessierte ganz interessant sein dürften.

Zum einen der Vortrag von Andreas Lehner über „den tiefen Staat“ über den Grad der Militarisierung der Infrastruktur in der BRD und den Stay-Behind-Organisationen der NATO.

Und zum anderen natürlich den Vortrag des Historikers Josef Foschepoth über die Post- und Telefonüberwachung in der Bundesrepublik bis 1989. Foschepoth macht dabei deutlich, dass eine fast flächendeckende Überwachung in der BRD im Kontext des Kalten Krieges eine lange Tradition hat, und keineswegs erst im Zuge der Digitalisierung durch die NSA möglich wurde. Das dazugehörige Buch gibt es derzeit sehr kostengünstig bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

  1. Für Unwissende: Dem 30 Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Hamburg []

BBS: The Documentary – Dokumentation über die amerikanische Mailboxszene der 1980er

Schon lange bevor das Internet Mitte der 1990er seinen Weg von den Universitäten und Forschungsinstitutionen in die privaten Haushalte fand, waren viele Heimcomputer „online“. Privat betriebene Mailboxen boten schon in den 1980ern die Möglichkeit, elektronische Nachrichten zu versenden, Software runter zu laden oder sich in langwierigen Flamewars Diskussionen zu verlieren. Solche Mailboxen, im englischsprachigen Raum auch als „bulletin board systems“ (BBS) bekannt schufen die erste Inkarnation einer digitalen Öffentlichkeit für den privaten Nutzer – zumindest in den USA. In der Bundesrepublik erschwerte bis 1990 das Endgerätemonopol der Bundespost eine ähnliche Mailboxkultur wie in den USA, ohne die Genehmigung der Post durfte man hier bis 1990 keine Modems an das Telefonnetz anschließen.

Die Geschichte der amerikanischen Pioniere der digitalen Öffentlichkeit wurde bereits 2005 von Jason Scott Sadofsky in einer sehenswerten achtteiligen Dokumentation festgehalten. In den Interviews mit den Akteuren von damals wird deutlich, wie die technische Möglichkeit, einen Heimcomputer mithilfe des Telefonnetzes miteinander zu verbinden, eine Subkultur hervorgebracht hat, in der viele Phänomene, die wir heute durch den transformativen Charakter des Internets in größeren Maßstab wahrnehmen, bereits in kleineren Umfang auftraten.

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30 Jahre COMPUTER-GUERILLA – 30 Jahre Chaos Computer Club

1983-11-08-COMPUTER-GUERILLA

Überschrift auf der taz-Doppelseite vom 8.11.1983

Vor 30 Jahren, am 8. November 1983, veröffentlichte Wau Holland in der damals noch jungen und linksalternativen taz eine Doppelseite über „COMPUTER GUERILLA, die als ein Gründungsdokument des Chaos Computer Clubs und der deutschen Hackerszene gelten kann.

Im Herbst 1983 machte ein Hollywoodfilm die Macht, die mit einem vernetzten Heimcomputer ausgeübt werden kann, sehr anschaulich. In „War Games“ brachte der jugendliche Protagonist David mit seinem Heimcomputer und einem Modem die Welt an dem Rand der atomaren Vernichtung, ehe er sie heldenhaft retten konnte, indem er mit einem Computer Tic Tac Toe spielte. Der Film brachte das Phänomen der amerikanischen Hacker in das Bewusstsein der bundesdeutschen Öffentlichkeit, insbesondere der SPIEGEL wurde nicht müde, über die „umherschweifenden Hack-Rebellen“1 zu berichten. Auf der Messe der Internationale Fernmeldeunion ITU, der „telecom 83“2 in Genf interviewte der Spiegel sogar Richard Cheshire, dem Herausgeber der TAP, einem damals schon legendären Newsletter über die Ge- bzw. Missbrauchsfälle der globalen Kommunikationsnetze.

Auch Wau Holland war damals nach Genf gefahren, um für die taz zu berichten und sich ebenfalls mit Cheshire zu treffen. Das Ergebnis dieser Reise war die Doppelseite, die eine Woche später in der taz erschien. Aufmacher war der Reisebericht von Wau und die Schilderung seines Messerundgangs. Wau war auf der Messe mit einem kritischen Blick auf die vorgestellten Produkte unterwegs und schaute hier und da, ob er nicht unzureichend gesicherten Passwörtern entdecken konnte („Alle Tastaturen hochheben. Zettel drunter abschreiben! Oder anderen hinlegen. Kilroy was here.“), die ihm Zugang zu ansonsten verschlossen, aber höchst interessanten Systemen verschaffen können. Natürlich hat Wau auch dem Stand der Bundespost einen Besuch abgestattet und die Postler mit kritischen Fragen gelöchert: Wie sieht es beispielsweise mit Zensur beim Bildschirmtext aus?

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  1. Die Formulierung spielt auf die „umherschweifenden Hasch-Rebellen“, eine 1969 bestehende westberliner Gruppe, die eine Vorläufergruppe der Bewegung 2. Juni war. []
  2. Auf der Seite der ITU kann man einen Bericht und einige Bilder von der telecom 1983 sehen. []